Short Facts

Motor

Karosserie

Getriebe

Antrieb

Zulassung

Kilometer

Boxer 6 2993ccm Turbo

Coupè

4-Gang manuell

Heck(!!)

Veteran

125'800

Aufladung

Turbolader sind aus der heutigen Zeit kaum mehr wegzudenken. Kaum ein Neuwagen kommt heute ohne Aufladung mittels Abgasenergie daher. Jedoch weniger deswegen, weil man den Triebwerken mehr Emotionen andichten möchte, sondern weil das ganze Downsizing und Spritsparen und CO2 Bilanzen und sowieso blablabla Spassbremsen.... Gehen wir zurück, als der Turbolader nur jenen Autos vorbehalten war, welche auf der Überholspur etwas zu husten hatten. Ich erinnere mich an den Volvo 240 (der Ziegelstein) meines Paten, welcher, eben auch ein Turbo war. Und was war dieses Auto damals speziell, mit dieser Uhr im Armaturenbrett, welche die explosive Leistungsentfaltung optisch untermalt hat. Man wusste, wenn der Zeiger anfing hochzusteigen, dann ging's in die Spasszone. Sicher 10 Jahre früher war das nochmal etwas anderes. Man konnte die Anzahl der sportlichen Autos, welche mit einem Abgasturbolader ausgestattet waren, an einer Hand abzählen, ohne die ganze Hand dafür zu gebrauchen. Und ja klar, es gab vorher schon Versuche von anderen Herstellern mit aufgeladenen Benzinmotoren, aber diese waren, was die Sportlichkeit anbelangte, eher verhalten spassig unterwegs.

 

Die absolute Macht im Jahre 1976, das war zweifellos der 911er turbo. Nicht nur, dass ihm der Ruf anhaftete, so ziemlich alles auf der Überholspur stehenzulassen, er hatte auch den Ruf eines ungehobelten Rüpels, gefährlich soll er sein, ja fast schon unkontrollierbar und nicht zuletzt deswegen hiess es auch bald, der 911 turbo sei nicht nur ein, sondern DER Witwenmacher. Wirklich? Dieses, für heutige Verhältnisse extrem kompakte Auto? Mit seinen 1140 Kilo Leergewicht? Naja, in Anbetracht der Konstruktion, Motor hinten, Antrieb hinten, und vor allem, 260 PS hinten, das schien schon nicht so weit hergeholt zu sein. Das Heck des Witwenmachers scheint tendenziell instabil. Aber der Reihe nach.

Urturbo

Die Baureihe 930 in der 3.0er Version wird als Urturbo bezeichnet. Weil, es war der erste, strassenzugelassene 911er, welcher mittels Zwangsbeatmung in die Welt der Supersportwagen vordrängelte. Dank eben, dem geringen Gewicht und dem potenten Boxer im Heck war er damals, also bei der Markteinführung 1974, der schnellste in Serie hergestellte Sportwagen aus Deutschland. Heute klingen 5.5s auf hundert und 250 km/h eher nach einem potenten Oberklassediesel mit Innenraumbeduftung, aber damals war das einfach nur irrsinnig schnell. Und irrsinnig war auch die Preisgestaltung, so musste derjenige, welcher einen turbo sein Eigen nennen wollte, rund 25% tiefer in seinen Geldbeutel hineinbaggern als es für einen damaligen Ferrari der Fall war. Autsch?

Spagat

Man müsste nun vermuten, dass so ein Porsche turbo aus den bunten 70ern ein ziemlich kompromissloser Krawalleimer sein müsste. Müsste ja, sein aber nein. Schon damals gab es elektrische Fenster, ein elektrisches Schiebedach, Klimaanlage, Ledersitze und überhaupt, einen überraschend wertigen Innenraum. Dies machte den turbo auch zu einem formidablen Reisegefährten für die Langstrecke. Man war bei der Konstruktion des schnellen Elfers also nicht nur um Kompromisse bemüht, man wollte ein Auto bauen, welches den Spagat zwischen Motorsportattitüden und bequemem Reisen so gut wie möglich schafft, ohne dabei albern zu wirken. Und gerade wenn man die heutigen Turbo S Modelle aus dem Hause Porsche fährt bemerkt man, woher die Urenkel ihre guten Manieren her haben. Dieses Auto ist, ohne jeglichen Zweifel, ein absolutes Meisterstück der Ingenieurskunst. Wer ihn gefahren ist, weiss, was ich meine. das Auto kann abgesehen vom harten Geländeeinsatz, so ziemlich alles.

1976 Porsche 911 turbo

Der Innenraum

Was treiben die Schotten in Zuffenhausen? Naja, in diesem Fall tun sie etwas Gutes. Die Stoffe, welche in diesem 930er verarbeitet wurden, gehören eigentlich hinter den Jugendschutz gestellt. Klar kann man in so einen Elfer ein paar Quadratmeter Kuhhaut hineinpacken und macht damit auch nichts falsch. Aber dieses konsequent, bis zum Schlüsseletui und der Werkzeugmappe durchgezogene Karostoff passt in dieses Auto wie Abba in die 70er. Dazu passend, die sehr sportlich konturierten, aber keineswegs unbequemen Sitze. Und wer schon mal in einem Auto der 70er gesessen ist weiss, man mochte damals luftig gepolsterte Sofas mehr als alles andere und das hörte bei den Autos damit auch nicht auf. Dieses Gestühl jedoch fühlt sich absolut modern an, es gibt Seitenhalt, Wertigkeit und vor allem, eine fantastische Sitzposition, auch für etwas grösser gewachsene Leute.

 

Ja, man sieht hie und da noch den Käfer etwas durchschimmern, die Heizungsregelung, welche zwischen den Sitzen sitzt. Oder die stehenden Pedale. Aber dennoch lebt dieser Porsche all seine berühmten Eigenheiten, wie das linksseitig angebrachte Zündschloss. Die fünf Anzeigeinstrumente, welche über die Vitalparameter der Maschine und auch der eigenen Fahrerlaubnis informieren. Und, das vermutlich schönste Lenkrad aus der Geschichte des 911er. Alles in allem ist dieser Innenraum einfach nur ein wunderbarer Platz zum Sein und dieses Auto mit allen Sinnen zu spüren.

Dynamik

Porsche 911 turbo Cluster

So, was macht denn so ein 44 Jahre alter 3.0er turbo? Also erstens, einen unglaublichen Fahrspass. Es ist eines jener Autos, in welchem man kein Radio braucht, dafür aber die Seitenscheiben gerne mal 10cm herunterfährt und auch jenseits Welt des vollen Ladedrucks dem präsenten Säuseln des Turbos zuhört. Damals wie heute, dieses Geräusch entschädigt für Vieles wenn nicht sogar für fast alles, einen miesen Tag, eine unerwartete Rechnung oder dafür, dass man diese Woche schon viermal irgendwo in einen Laden hineinwollte um dann wieder umzudrehen um den Gesichtsfilter aus dem Auto zu holen. Also schon bei absolut moderater Fahrweise macht dieser Porsche mehr Fahrspass, als der allermeiste moderne Kram, welcher eine Sporttaste und einen Klappenauspuff hat. Doch was passiert, wenn die Ladedruckanzeige anfängt zu steigen? Mah, wie soll man das beschreiben.... Ich versuch's mal so, dieses Auto ist dem Turboloch seine Mutti. Das Turboloch ist so tief, man kann darin locker einen V8 BiTurbo aus einem Mitbewerberhaus darin versenken und würde ihn nie wieder finden. Wer knapp über Leerlaufdrehzahl auf das Spasspedal tritt wird feststellen, es passiert nicht sonderlich viel. Bis 3500 Umdrehungen ist keiner zu Hause. Das ändert sich dann aber bei spätestens 4000 Umdrehungen. Die Akustik ändert sich von einem relativ zivilisierten Boxerknurren zu einem Schreien und Fauchen, begleitet von der gummiseilartigen, explosiven Beschleunigung. Und wer dieses Spiel wiederholen möchte, dafür stehen ja insgesamt vier Vorwärtsgänge zur Verfügung. Aber Obacht! Die Gänge sind ungewohnt lange übersetzt. Da steht der Rote Zeiger im Geschwindigkeitsinstrument plötzlich in einer Region, wo man ihn so überhaupt nicht vermutet hat.

 

Wirklich überraschend ist allerdings das Zusammenspiel der Lenkung und der Vorderachse. Das Auto lässt vom Einlenkverhalten Gokartgefühle aufkommen und dabei hilft die direkte Lenkübersetzung, welche jedes auch noch so kleine Zwicken am Lenkrad in einen sofortigen Richtungswechsel umsetzt und auch ungefiltert Rückmeldung an den Fahrer gibt. Das ist bei heutigen, modernen Sportlern schon nicht mehr so selbstverständlich, aber umso beeindruckender ist das in einem Porsche, welcher schon 44 Jahre auf seinem breiten Bürzel hat.

 

Ja, der turbo ist ein wirklich, wirklich schnelles Auto. Seine Leistungsentfaltung ist am ehesten mit einer Lawine zu vergleichen, sie scheint langsam zu kommen, räumt dann aber trotzdem alles weg was im Weg steht. Und dann ist da ja noch die Akustik. Luftgekühlte Porsches haben sowieso einen unverwechselbaren, eigenen Klang. Aber hier kommen im Lastbetrieb eben noch üppige Ladergeräusche dazu und wer vom Gas geht sollte, zumindest vom sozialverträglichen Aspekt her, nicht gerade neben einem Radfahrer oder einem schlafenden Kind herfahren. Die Maschine macht nämlich keine Gefangenen, wenn es darum geht, zu knallen und zu röcheln was das Zeug hält. Und das absolut schöne dabei ist, es ist wirklich der Motor, welcher diese Geräusche von sich gibt, kein Soundmodul, kein zusätzlich eingespritzter Kraftstoff oder sonstige künstlichen Kindereien. Was man hier hört sind die reinen Motorsportgene des Dreiliters und das, ja das macht den Urturbo zu dem was er zu Recht ist, eine Legende und vor allem, ein ingenieurtechnisches Kunstwerk.

Noch kurz zu der Fahrbarkeit dieses Freudenspenders. Es gibt, im heutigen Alltag, absolut keine Einschränkungen, was die Manieren des turbos bei "normaler" Fahrweise anbelangt. Der Boxer im Heck läuft knapp oberhalb der Leerlaufdrehzahl seidenfein und hängt angenehm elastisch am Gas. Die lange Übersetzung erlaubt, dass man absolut schaltfaul mit dem Verkehr mitschwimmen kann. Kein Geruckel, keine Anfahrschwäche und keine Wadenkrampfkupplung schmälern das Erlebnis, mit so einem Meisterwerk auch mal am alltäglichen Wahnsinn auf den Strassen teilzunehmen. Nur eben, macht halt einfach viel mehr Spass als im TFSI mit von mir aus, auch 400 PS. Hand drauf.

Zustand

Mal kurz weg von den emotionalen Aspekten dieses 930ers und hin zu den harten Fakten des Zustandes. Angefangen dabei, das Auto wurde von 2017 bis 2019 bei der Ecurie Vienne komplett zerlegt, restauriert und nach Werksvorgaben wieder zusammengebaut. Selbstverständlich ist dieser Prozess mittels viel Bildmaterial und Belegen dokumentiert. Die Qualität dieser Restauration ist, entsprechend dem namhaften Betrieb, ohne jeden Mangel. Auch das Getriebe wurde revidiert und schaltet sich, wie es sich für einen Porsche aus jener Zeit gehört, etwas pampig, aber dennoch präzise.

 

Unangetastet blieben bei der Restauration die Maschine und der Innenraum, beides wurde einige Jahre vorher schon umfangreich überarbeitet und hält damit auch dem zweiten Blick stand. Und damit steht hier ein 44 Jahre alter Porsche 911 turbo, in sündigem (werksoriginalen) indischrot und Schotteninnenraum.

Originales und Originelles

Das Auto ist nach Aufschlüsselung der Fahrgestellnummer im Auslieferungszustand, lediglich die Innenausstattung weicht ab von Leder schwarz zu eben, diesem ansprechenderen Schottenkaro. Der Elfer besitzt ein seltenes, elektrisches Schiebdach und im Innenraum sitzt das ebenso unnütze wie defekte, originale Radio. Sämtliche Armaturenbeleuchtungen funktionieren, also keine Sichtflüge auf nächtlichen Strassen. Auch sonst ist an diesem Auto alles funktionstüchtig und vor allem, von der Schweizer MFK im September 2019 als verkehrssicher eingestuft. Der turbo hat einen Veteraneneintrag bis 2025. Gemäss dem ersten, originalen Fahrzeugbrief und der damit auch gleich dokumentierten Besitzerhistorie besitzt der Turbo noch seine erste Maschine, du Nummern passen mit diesem, noch mit Schreibmaschine getippten Dokument, komplett überein.

 

Ausgeliefert wurde der 930er damals ohne die schwarzen Steinschlagschutzfolien an den hinteren Kotflügeln und goldenen Turboschriftzügen. In Anbetracht der jetzigen Optik würden wir sagen, man hat bei der Planung der Restauration keinen schlechten Tausch gemacht.

 

Zu dem Auto kommen natürlich auch das originale Handbuch und der Pflegepass mit. Ebenso gibt es es Pyjama für die kalten Wintertage und ein speziell angefertigtes Werkzeugset für hoffentlich nie eintretende, technische Notfälle oder Reifenwechsel.

 

Das originalste aber, ist die Laufkultur des munteren Triebwerks und die dazu passende brutale Optik. Mehr turbo geht nicht. Weder akustisch noch fahrdynamisch, dieser Porsche knallt wie kein zweiter.

Noch mehr Bilder des Urturbos findest Du in unserer Galerie. Solltest Du Interesse an oder Fragen zu diesem Fahrzeug haben, benutze bitte das untenstehende Formular oder ruf uns unter untenstehender Nummer an. Wir werden uns selbstverständlich zeitnah bei Dir melden.

 

Gruss aus der Küche

Markus

CHF 230'000

Formular wird gesendet...

Auf dem Server ist ein Fehler aufgetreten.

Formular empfangen.

Copyright by Gasoline Kitchen GmbH

Disclaimer