Short Facts

Motor

Karosserie

Getriebe

Antrieb

Zulassung

Kilometer

3.5L V8

Limousine

Automatik 4-Gang

Heck

Veteran

198'000

Der Benz

Alte Bekannte sind immer gerne gesehen. Und in diesem Falle ist dieser Wiedersehen tatsächlich nicht unwillkommen, handelt es sich um eines jener Autos, welche sich in unserer Firmengeschichte einen Platz im tiefsten Herzen gesichert haben. Einerseits, weil es sich hier um einen Meilenstein in der Automobilgeschichte handelt, andererseits, weil es sich um einen der immer weniger werdenden, echten Überlebenden handelt. Keine Restauration ist jemals über diese S-Klasse gekommen, hier wurde lediglich Service gemacht, ab und an etwas repariert und die Karosserie in Schuss gehalten. Im Ergebnis von 51 Jahren Liebe steht hier nun dieser charmant patinierte Benz und dies tut er wie ein Panzer, anscheinend unsterblich, grundsolide und vor allem, genau so wie er damals das Werk in Stuttgart verlassen hat. Naja, abgesehen von den AMG-Pentafelgen, aber hier gibt es Backup in Form der originalen Barockfelgen.

Über allen anderen

Erhabenheit gehört zu den Tugenden jeder Baureihe, welche Mercedes-Benz als S-Klasse bezeichnet. Und, was zumindest meine bescheidene Meinung anbelangt, dieses Auto ist so erhaben wie kaum ein anderes aus dieser Zeit. Nicht nur, dass man noch Chrom in rauhen Mengen, aber dennoch an den richtigen Stellen eingesetzt hat, man hat sich mit unfassbar vielen Details beschäftigt, das Auto ist wahrlich «Over-Engineered». Details, wie zum Beispiel die Wasserablaufrinnen in den Dreiecksfenstern oder die glimmend rot beleuchteten Lüftungselemente zeugen davon, hier wurde klotzend gekleckert. Aber auch üppig eingesetzte Holzelemente versprühen den barocken Luxus der 70er Jahre, ganz zu schweigen von diesem fantastischen Geräusch, welche die Türen beim Schliessen machen. Man hört, diese Türen sind für die Ewigkeit gemacht.

 

Aber es geht ja nicht nur ums Kucken, es geht ja auch ums Grabschen. Und auch da merkt man, dass ist alles unglaublich stramm, solide und massiv. Die Teppiche sind dick, die Fenster sind dicht und alle Schalter besitzen für ihr Alter immer noch eine wunderbare Haptik. Die Verarbeitungsstandards sind für heutige Zeit schon sehr hoch, aber wie muss das damals gewesen sein, als die Produktionsmannschaft das Allermeiste noch von Hand an die Autos gehievt hat?

 

Und dann fährt das ja alles auch noch. Und das tut es absolut souverän, entspannt und im Gleitermodus. Nichts in diesem Innenraum klappert, lediglich ab Autobahntempo dringen ein paar wenige Windgeräusche an die Ohren der Insassen. Dazu gesellt sich dann auch, spürbar hörbar, der kleine V8 im Bug und die Viergangautomatik mit Trockenkupplung, welche für ihre Bauweise typisch, ein wenig singt.

«S» wie Sauteuer?

Damals kostete so eine S-Klasse in derselben Ausstattung wie sie hier steht 38'542.86 DM, was heute ungefähr EUR 72'441.11 oder 71'000 Schweizer Fränkli wären. Das klingt jetzt irgendwie nicht nach viel, aber wenn man bedenkt, dass ein Käfer mit «Vollausstattung» nur 8'500 DM gekostet hat, dann sind das schon eine Menge Penunzen für eine viersitzige Limousine. Aber wie gesagt, dafür kriegt man auch eine Menge Extrameilen in der Ingenieursleistung und Verarbeitung. Dennoch, die S-Klasse war damals wie heute auch, kein Schnäppchen. Also, zumindest in der Anschaffung, denn rechnet man die damaligen Auslagen herunter auf die letzten 51 Jahre, dann ist das schlicht ein Bombenauto für’s hart verdiente Geld. Vor allem deswegen, das Ding steht ja immer noch da!

 

Also, so eine S-Klasse war also damals schon so etwas wie eine Wertanlage. Doch wie ist das heute so? Und vor allem, was ist zu tun, damit das Auto seinen Wert auch behält? Gleich vorab, das lässt sich nicht abschliessend hier beantworten, hierfür beraten ich dann gerne im persönlichen Gespräch. Aber, um es kurz zu machen, dieses Auto sollte man möglichst nicht restaurieren. Weil, eine 108er S-Klasse mit dem 3.5er V8, in unrestauriertem Auslieferungszustand, haben auch wir seit Jahren keine mehr gesehen. Und das macht dieses Auto vielleicht nicht absolut einzigartig, aber definitiv sehr, sehr selten.

 

«Mercedes sind teuer im Unterhalt!» Und da hatte der Urheber dieser Aussage nicht ganz unrecht. Aber auch nicht ganz recht. In den letzten vier Jahren seit unserem Erstkontakt hat das Auto zwar ein kleines Vermögen in der Beseitigung und Vorsorge gegen Rost verschluckt, aber abgesehen davon waren lediglich ein Stück Benzinschlauch, ein Arretierungsstift der Lenkstockschaltung und, was für ein Wunder, eine 50 Jahre alte Sicherung zum Tausch fällig. Ansonsten gilt aber auch hier, regelmässige Wartungen verlängern das Leben solcher Autos. Der Beweis dafür, naja, steht genau hier.

Der Innenraum

Man hat Stoff gegeben. Also, zumindest bei der Bestellung, wie man sieht. Und es ist erstaunlich, dass gerade hier alle Stoffe so unbenutzt aussehen? Das hat damit zu tun, dass der Erstbesitzer über die 48 Jahre seiner Besitzerschaft die Sitze mittels Sitzbezugsschonern gesitzt, ne geschont hat. (wer jetzt einen Sitzen hat, sorry). Dass sich zwischenzeitlich die eine oder andere, wenn auch sehr milde Verfärbung dazugesellt hat, ist verständlich. Und, man könnte diese theoretisch mittels einer Schamponage beseitigen, wir aber finden, so lassen, man muss da schon suchen. Die originalen Fussmatten sind noch vorhanden, wurden aber zwischenzeitlich mal durch Repliken ersetzt. Der Dachhimmel sitzt stramm und ist unbeschädigt. Die Holzleiste unter der Frontscheibe wurde zwischenzeitlich mal ersetzt, alle anderen Hölzer (eine Menge!) sind aber noch komplett original und schauen dabei auch noch ziemlich gut aus, hat etwas von der Wohnwand bei Oma. Der Geruch im Innenraum entspricht über 50 Jahren Duftbaumkultur, kann aber durchaus als sehr angenehm bezeichnet werden.

 

Die Ergonomie ist zweifellos von der einfachen Sorte. Lediglich die Bedienung der Heizung und Klimaanlage bedarf etwas Einfuchsung, da beides unabhängig voneinander geregelt und bedient werden muss. So ein wenig wie alte britische Waschbecken, wo es einen Hahn für kaltes und einen für heisses Wasser gibt beziehungsweise die Mischbatterie nicht im Hausrat geführt wurde.

Dynamik

Wenn man heute von Sportlimousinen spricht, dann sind das all die AMG’s, RS’s, SRT’s und Blackwing’s. Damals gab’s das aber alles noch nicht, wer eine flotte Limo wollte musste entweder zum Amerikaner mit Bigblock greifen oder eben, er orderte eine S-Klasse, bevorzugt mit einem V8. Wobei, so richtig Sport ist dass dann immer noch nicht gewesen, abgesehen vom Vorwärtsdrang und der Bremsleistung. Aber Lenkungen und Fahrwerke optimieren stand noch so gar nicht auf den Zetteln der Hersteller. Sowas wie Werkstuning war noch nicht auf den Aufpreislisten oder in Sonderkatalogen zu finden.

 

Also, dann halt V8 und Scheibenbremsen. Musste reichen, um dem 911er damals das Leben auf der Autobahn zur Hölle zu machen. Und es hat gereicht, rund 205 km/h Spitze waren mit dem 3.5er drin und wer das Auto fährt, glaubt das ohne weiteres. Vielleicht mag der Antritt im ersten Moment etwas zäh erscheinen, aber dafür geht dieser konstant vorwärts und auch jenseits der 120 km/h wird ein beherzter Tritt aufs Gas mit Herunterschalten in den dritten Gang quittiert und dann stürmt der Benz ziemlich entschlossen dem Horizont entgegen. Sowas wie eine Grundsicherheit hatte man bei Mercedes-Benz auch auf dem Schirm. Und zwar in Form von Scheibenbremsen, welche nicht nur sehr gut, sondern auch sehr präzise und dosierbar ihre Arbeit zuverlässig verrichten.

Und damit schafft dieser Benz etwas, was so viele Autos aus dieser Zeit nicht können. Er wird tatsächlich alltagstauglich und kann das bestätigen, ich habe dieses Auto, ausser bei schlechtem Wetter, über einen kompletten Sommer im Alltagsbetrieb bewegt und für gut befunden.

Zustand

Wie bereits erwähnt, es handelt sich hier um einen Überlebenden mit 51 Jahren und rund 196'000 Kilometern auf dem Zähler. Und damit ist er natürlich fernab von jenen Exemplaren, welchen die Lebensjahre weglackiert wurden. Damit ist aber auch schon fast alles gesagt, abgesehen vom Lack und den Spuren der einen oder anderen Rostbeseitigung steht das Auto immer noch fantastisch da. Die Chrom- und Zierteile sind rundum in sehr gutem Zustand, auch sind nirgendwo Dellen oder eben Spuren der braunen Pest zu finden. Dies gilt übrigens auch für den Unterboden, auch dort ist kein Rost in Sicht (nicht mehr).

 

Der kleine V8 und das Getriebe sind immer noch diejenigen, welche damals im Werk in die Karosserie gepflanzt wurden. Damit ist das Auto übrigens auch all around matching #s. Soweit wir und unser Partnerbetrieb das beurteilen können ist der Motor auch noch nie offen gewesen und hat, zusammen mit dem Getriebe, keinen sichtbaren Ölverlust.

 

Die Elektrik wurde vor einigen Jahren mal «bereinigt», auch die Klimaanlage wurde neu befüllt und verrichtet ihren Dienst tadellos, wer möchte kann den silbernen 108er in einen Kühlschrank verwandeln. Auch die Heizung geht selbstverständlich und aus der Lüftung kommt nicht nur ein laues Lüftlein.

 

Einzig der Hebel für den Blinker zeigt seinen Verschleiss, so kann es passieren dass er ab und zu nicht mehr arretiert und wieder zurückspringt. Nicht wirklich kaputt, aber auch nicht wirklich ganz.

Originales und Originelles

Das Auto entspricht dem absoluten Auslieferungszustand. Dies ist insofern nachvollziehbar, dass es zu dem Auto die Datenkarte, also das Produktionsdatenblatt aus dem Archiv der Daimler AG gibt. Und da steht es schwarz auf weiss, hier ist alles da, was reingehört und abgesehen von den zeitgenössischen AMG Pentas (siehe auch die «Rote Sau) nix dran, was nicht drangehört bzw. in dieser Zeit nicht zu haben gewesen wäre. Dazu gehört natürlich auch der Wackeldackel und der Hut auf der Heckablage.

 

Die Datenkarte gibt folgende Daten her:

 

• Lack silbergrau / Dach schwarz

• 2 Polster grau

• 401 Einzelsitze vorn

• 421 Automatik Lenkradschaltung

• 468 Zentralverriegelung

• 541 Halogen Scheinwerfer

• 551 Lenkrad elfenbeinfarbig

• 576 Kopfstützen vorne

• 580 Klimaanlage

• 616 Nebelscheinwerfer Halogen

• 631 Verbandskasten (ist sogar noch vorhanden, einer Verarztung von jemanden mit ernsthaften Verletzungen raten wir jedoch ab)

• 673 Batterie m. grosser Kapazität

• 682 Feuerlöscher

• 220 Türkontakte im Fond

• 248 Heckscheibe beheizt

• 811 Lautsprecher im Fond m. Überblendregler

 

Mit dabei sind auch zwei Handbücher, einmal das erste, originale (leicht beschädigt) und ein Nachdruck.

Noch mehr Bilder dieser schwäbischen Schönheit findest Du in unserer Galerie. Solltest Du Interesse an oder Fragen zu diesem Fahrzeug haben, benutze bitte das untenstehende Formular oder ruf uns unter untenstehender Nummer an. Wir werden uns selbstverständlich zeitnah bei Dir melden.

 

Gruss aus der Küche

Markus

CHF 35'500

Formular wird gesendet...

Auf dem Server ist ein Fehler aufgetreten.

Formular empfangen.

Copyright by Gasoline Kitchen GmbH

Disclaimer