Short Facts

Motor

Karosserie

Getriebe

Antrieb

Zulassung

429cui 7.0L V8

Fastback Coupé

Automatik 3-Gang

Heck

Veteran

Goldene Zeiten

… gehen leider auch irgendwann zu Ende. Anfangs der 70er Jahre kündigten die amerikanischen Hersteller mehr oder weniger wehmütig an, dass man sich auf die kommenden Umweltregularien einstellen müsse und damit dem Muscle Car so langsam aber sicher die Kehle zugedrückt wurde. Vorbei die Tage, an denen hubraumstarke, bunte, lustige und meistens völlig übermotorisierte Coupés die Produktionshallen in und rund um Detroit verlassen haben. Sparsam sollten sie sein, leise und möglichst ohne nennenswerte Schadstoffbelastung und damit auch grösstenteils spassbefreit. Der eine oder andere Anforderungspunkt wurde da aus heutiger Sicht mehr als naiv interpretiert, aber hey, Hauptsache die Umwelt schien zumindest auf dem geduldigen Papier antlastet. Und irgendwie scheint sich ja diese Geschichte heute zu wiederholen, der V8 stirbt langsam (wieder) aus, wir geben aber die Hoffnung nicht auf, dass es nochmal für ein pompöses Comeback reicht. In welcher Form auch immer.

 

Damals: Pah! Ford hatte noch einen Joker im Ärmel. Der Torino sollte nochmal die Welt mit Leistung, Hubraum und etwas Comedy bereichern, das Musclecar sollte nicht einfach so mit gesenktem Kopf von der Bühne und durch den Hinterausgang in den Ruhestand schleichen. Nope, es sollte nochmal eine letzte Party stattfinden. Und dazu brauchte es viel buntes Licht, eine Menge Kilowatt und natürlich den Applaus von den Tribünen. Der grosse, bevorzugt bunte Ford sollte diese Performance liefern, mit sieben Litern Hubraum, mit seinem klassischen Fastbackhintern und sowieso, einer Menge Sound und Leistung. Vorhang auf für den Ford Torino Cobra Jet 429!

Der Dragstrip

Dragraces sind ja quasi das Fastfood der Motorsportszene. Immer der Reihe nach, ein wenig ungesund, beliebig reproduzierbar und vor allem, schnell. Wo die heutigen Performancemassstäbe schnell mal mit dem raffinierten Label «Nürburgring» versehen werden, waren es damals die nackten Viertelmeilenzeiten. Wenn ein Auto vom Band weg schon unter 14 Sekunden über die knapp über vierhundert Meter hinweghämmerte, dann galt dieses Auto als schnell. Und tatsächlich, dass war nicht nur damals so, auch heute ist das eine formidable Zeit. Zum Vergleich, ein Porsche Cayenne S liefert dieselbe Zeit, exakt 13.8 Sekunden. Nur dass dieser dies sicherlich nicht so spektakulär macht, wie eben so ein Cobra Jet. Gilt aber als flotter Familienbomber.

 

Leistung war also King, weniger denn als ausgefeilte Fahrwerke oder Regelelektronik. Musclecars sind weniger puristische Sportler, mehr so die exzessiv lebenden Rockstars der Autoszene, sie konsumieren ihren Sprit in rauen Menge, sie rauchen gerne mal einen Satz Reifen weg und vielleicht ist ihr Kurvenverhalten nicht immer so stabil. Müsste man einem Musclecar ein Gesicht verpassen, dann wäre es vermutlich Lemmy Kilmister’s charakteristisches Antlitz und sein Rickenbastard. Dazu den Regler vom Verstärker gerne mal um einiges über den Herstellerangaben, milchverachtend. Der Torino ist da keine Ausnahme unter vielen, auch seine Leistungsangaben wurden damals schon etwas dezenter formuliert, von nominellen 375 PS war die Rede, in der realen Welt waren es dann doch auch gerne mal 450. Sieben Liter waren in einer damals noch freien Leistungskultur einfach eine andere Hausnummer, Turbolader steckten damals noch in den locker sitzenden Strampelsocken.

Im Schatten des Mustangs

Oftmals, oder eigentlich fast immer, fällt der Torino neben seinem kleinen Bruder etwas in den Schatten desselben, der Mustang war immer der Liebling der Massen, er war populärer, vielleicht etwas hübscher und einfach erfolgreicher, zumindest an den Verkaufszahlen gemessen. Aber auch hier ist es wie in der Musik, schlussendlich ist das alles eine Sache des persönlichen Geschmacks und darüber lässt sich nicht streiten.

 

Bei der Recherche über dieses Auto musste ich feststellen, dass der Torino langsam aber sicher zu seiner eigenen Legende reift. Schöne Exemplare werden rar, die Fachpresse greift das Auto gerne wieder auf und vor allem, auf den Classic Drags tauchen immer wieder mal solche Cobra Jet’s auf, welche dann den Chevelle’s, GTO’s und Firebirds zeigen, dass sie immer noch eine zu fürchtende Grösse sind wenn es darum geht, schnelle Zeiten in den Asphalt zu gummieren. Und sowieso, Sympathien hat dieses Auto eine Menge in der Szene. Sein tendenziell unterschätztes Wesen mausert sich immer mehr zum Geheimtip, ein Auto welches man haben muss und auf jeden Fall, ein absoluter Blickfang, vor allem wenn er noch so dermassen mit goldener Farbe und blitzblankem Chrom die Welt um sich herum reflektiert. Mit zunehmendem Blick wird dieses Auto immer schöner, erscheint auf seine Weise imposant und bleibt im Gehirn seines Betrachters haften.

 

Und dies bietet eine Menge Potential für Kopfkino, quasi ein richtiger Benzin-, weniger ein Ölfilm. Wie muss es damals gewesen sein, wenn man sich so ein Auto fabrikneu nach Hause geholt hat um dann am Freitagabend auf dem städtischen Dragstrip zwischen der vierten und der sechsten Strasse allen zu zeigen, dass das Musclecar noch nicht ganz tot ist. Ich persönlich stell mir diese Zeit mehr als anregend an und ich würde etwas geben, da mal eine Woche Urlaub zu machen. Gerne mit diesem Auto.

Der Innenraum

Die 70er haben angerufen, sie möchten ihre braunen Teppiche zurückhaben. Näh, die bleiben hier. Zusammen mit den braunen Türtafeln, den braunen Sitzen und dem braunen Dachhimmel. Was gerade bei diesem Auto auffällig ist, hier ist das Material noch das, was es zu sein scheint. Die amerikanischen Autobauer fingen gerade zu Anfang der 70er Jahre an, vermehrt Kunststoffe im Innenraum einzusetzen. Und damit wurden die Sitzplätze in diesen Autos nicht immer schöner und schon gar nicht wertiger. Der Torino scheint einer der letzten zu sein, wo man Kunststoff, wenn überhaupt, nur sehr sparsam eingesetzt hat.

 

Armaturenbrett, Schalter, Hebel, Logos, Zierkram, alles kalt und metallisch. Und damit für die Ewigkeit gebaut. Sofern man das Auto nicht im Meer versenkt. Und es ist Fakt, der Torino galt als Ableger der letzten Fairlane’s als Luxuscoupé, er war damit auch eine Fahrzeugklasse über dem damaligen Mustang angesiedelt, welcher in diesen Modelljahren leider auch schon eine Menge Plaste im Innenraum hatte. Dies galt weniger für die Platzverhältnisse, der Torino bietet mehr Platz für die Familie und den Wochenendeinkauf als der etwas kleinere Mustang.

 

Über die Ergonomie des Torinos muss man nicht viele Worte verlieren. Das Auto gibt keine Rätsel in der Bedienung auf, Schlüssel drehen, Motor starten, mittels Lenkstockhebel den Gang einlegen, fahren. Und während des Fahrens vermittelt gerade dieser in braun gehaltene Innenraum eine angenehme Wärme. Wer erinnert sich noch an die dunkel getäferten Wohnzimmer? Hier ist das sehr ähnlich, nur dass dank der pfostenlosen Seitenlinie eine Menge Tageslicht in den Innenraum hineinflutet. Der Torino und die Sonne können in allen Belangen sehr gut miteinander.

 

Sitzen tut man in dem Auto tief, sogar einigermassen gestützt in den georderten, originalen Bucket Seats und gehalten von den Beckengurten. Alles ist da wo es hingehört, nichts ist abgegrabbelt, gerissen, verschlissen oder kaputt. Ausser das originale Radio, auf welchem aber mangels verfügbarer Sendefrequenzen in unseren Gefilden sowieso nix mehr reinfunkt und bei dem Sound des grossen V8’s im Bug sowieso keine Chance auf Aufmerksamkeit hätte.

 

Das aus dem Regal von Ford stammende, aber nicht originale De Luxe Steering Wheel weisst an drei Stellen kleinere Beschädigungen auf. Und das wars dann auch mit der Kritik. Teppiche, Türtafeln und der Dachhimmel sitzen allesamt stramm und bleiben auch während der Fahrt dort, wo sie jeweils hingehören.

Dynamik

Was die Dynamik anbelangt, da hat das Auto gleich mehrere Gesichter. Einerseits ist der Torino dank seiner über 600 Newtonmeter Drehmoment ein formidabler und sehr entspannter Cruiser. Andererseits, wer das Spasspedal in die dicken Teppiche reindrückt wird bemerken, dass die Maschine doch ein gewisses Überraschungsmoment hat. Man muss nicht unbedingt mit dem Drehzahlmesser zwischen den Zähnen unterwegs sein, doch plötzlich und eben überraschend, stehen Zahlen unter der Nadel des Tachos, welche man so nicht erwartet. So funktioniert die Kombination Hubraum, acht Zylinder und ein Vierfachvergaser im Saugmodus, es schiebt einfach permanent und konstant vorwärts, jedoch völlig unangestrengt und unvergleichlich souverän.

 

Bremsen tut das natürlich auch, dank Scheibenbremsen vorne auch gerne mit genügend Potential und vor allem, bei Fahrten ins Tal mit thermischen Reserven. Der Natur solcher Autos entsprechend sollte man aber dennoch den Fakt im Hinterkopf haben, dass bei einer Vollbremsung gerne mal alle vier Räder ihre Rotation unverzüglich einstellen und damit das Auto a) nicht mehr lenkbar ist und b) einfach dorthin geht, wo die Schwerkraft zu Hause ist.

 

Die Lenkung ist absolut amerikanisch. Typisch servounterstützt, mit zwei Fingern zu bedienen und so gefühllos wie antiquierte Diktatoren. Und das hilft zumindest beim Manövrieren, was man des Öfteren tun wird. Weil, das Auto ist zwar lang und auch überschaubar, aber das gilt leider auch für den Lenkeinschlag bzw. Wendekreis.  Der gleicht eher einem Containerschiff als einem Sportcoupé. Dasselbe gilt, obwohl ungemessen, aber sicherlich auch dem Verbrauch.

Apropos lang, die Langstreckenqualitäten des Torinos sind etwas über dem Durchschnitt, die kinderleichte Bedienung im Alltagsverkehr ist eben dank Servolenkung, Automatik und angenehm dosierbarer Bremse, eine Erleichterung für jene, welche einfach den Weg zu einem nicht vorhandenen Ziel geniessen möchten. Der Torino fordert zwar ein wenig Aufmerksamkeit beim Fahren, wirkt dabei aber keineswegs anstrengend.

Zustand

Vorab, das Auto ist, wie man relativ schnell sieht, komplett restauriert. Und dabei hat man keine Kosten und Mühen gescheut, den Torino in jenen Zustand zurückzuversetzen, in welchem er damals aus dem Werk gefahren wurde. Dies ist belegt durch den Marti Report, welche nicht nur ausweist, dass das Auto in Farbkombination, Ausstattung, Motorisierung und Extras absolut stimmig ist. Und dieser Report weist diesen speziellen Torino zwar nicht als einmalig, aber dennoch als eines von jemals gebauten 133 Autos in dieser Form und diesem Farbspiel aus. Geht man davon aus, dass die allermeisten dieser Autos den heutigen Tag nicht mehr erleben dürfen, so wird dies einer von noch ganz wenigen 429er Cobra Jets sein, welche so dastehen, wie eben dieser Torino dasteht. Goldig.

 

Von aussen fällt sofort ins Auge, dass die Lackierung nach einem hohen Qualitätsstandard ausgeführt wurde. Wer trotzdem noch intensiv sucht wird an der rechten Seitenwand eine Nachlackierung finden. Diese war leider damals notwendig, als man das Auto aus den USA in die Schweiz überführt hat und eben auf diesem langen Weg hat der Torino einen kleinen, oberflächlichen Transportschaden erlitten.

 

Das Chrom rundum darf als gut bezeichnet werden. Die Chromleisten an den hinteren Fenstern weisen Spuren von Oxidation auf, die vordere Stossstange ist nicht hundertprozentig passgenau. Aber auch hier, man muss schon suchen damit man diese subtilen Makel wahrnimmt.

 

Die Maschine und das Getriebe sind in hervorragendem technischen, mechanischen sowie auch optischen Zustand. Nirgendwo drücken Betriebsflüssigkeiten durch poröse Dichtungen, alles ist sauber und auch die Elektrik zeigt sich sehr aufgeräumt und gesund.

 

Der Innenraum wurde mittels originalen Materialien wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt, hier gibt es, ausser beim Lenkrad, absolut nichts zu meckern. Keine Falten, Risse, Löcher oder sonstigen Beschädigungen trüben den sehr angenehmen Eindruck dieser Zeitkapsel aus dem Jahre 1970.

 

Der Unterboden besitzt alle originalen Bodenbleche, keine porösen Gummis oder ausgeschlagenen Gelenke versauen den guten Eindruck von oben. Leidglich an beweglichen und mechanisch belasteten Teilen wie den Blattfedern hinten und deren Chassisaufnahmen findet sich ein wenig Oberflächenrost. Aber, Bleche, Karosserieaufnahmen, Auspuffanlage und Achsen sind frei von der braunen Pest oder noch schlimmer, Deformierungen.

 

Nachweislich wurden an dem Auto auch immer wieder Servicearbeiten und Reparaturen durchgeführt, das Auto hat keinerlei Investitionsstau und ist nachweislich sehr gepflegt.

Originales und Originelles

Das Auto entspricht zum heutigen Tag und nachvollziehbar, dem Auslieferungszustand. Das beinhaltet die Innen- und Aussenfarbe sowie die verbauten Optionen:

 

• C-6 Select Shift Cruise-O-Matic (korrekt)

• F70X14 Belted Tires w/ Raised White Letters (die gibt’s nicht mehr)

• Rim Blow-Deluxe Steering Wheel (nicht korrekt)

• Power Front Disc Brakes (korrekt)

• Power Steering (korrekt)

• AM Radio (korrekt)

• Dual Rear Seat Speakers (nicht korrekt, da sind modernere Lautsprecher verbaut)

• Tinted Glass-Complete (korrekt)

• Remote Control Left Hand Mirror (korrekt)

• Argent Styled Steel Wheels (nicht korrekt, wurden durch äragerechte Magnum 500 Wheels ersetzt)

 

Die Lackierung (Bright Gold Metallic Paint) und der Innenraum (Medium Ginger Turin Knit Vinyl Bucket Seats) entsprechen dem Datenblatt aus dem Marti Archiv. Der Motor (429-4V) ist korrekt (Code übereinstimmend), aber nicht matching #s. Getriebe und Hinterachse sind ebenfalls korrekt und stimmen mit den Produktionsdaten überein. Gemäss diesem hat das Auto am 09. September 1969 genau so wie er heute dasteht das Werk in Atlanta verlassen. Es war ein etwas nebliger Dienstag. Könnte aber auch Smog gewesen sein.

Noch mehr Bilder dieser goldenen Schlange findest Du in unserer Galerie. Solltest Du Interesse an oder Fragen zu diesem Fahrzeug haben, benutze bitte das untenstehende Formular oder ruf uns unter untenstehender Nummer an. Wir werden uns selbstverständlich zeitnah bei Dir melden.

 

Gruss aus der Küche

Markus

CHF 85'000

Formular wird gesendet...

Auf dem Server ist ein Fehler aufgetreten.

Formular empfangen.

Copyright by Gasoline Kitchen GmbH

Disclaimer