Short Facts

Motor

Karosserie

Getriebe

Antrieb

Zulassung

Kilometer

6.5L V8

Coupé

4-Gang manuell

Heck

Veteran

87'800

Wenn Vögel brennen...

… dann bedeutet das entweder, dass das vergessene Hühnchen im Ofen langsam in den Zustand eines kollabierenden Sterns übergeht oder aber, wir sind in den 60er Jahren bei der Pontiac Motor Division, wo John De Lorean (oder einer seiner Untertanen) die Idee hatte, ein Auto nach einem, naja eben, brennenden Vogel zu nennen. Der Firebird war geboren. Wobei, seine Familiengeschichte relativ einfach erklärt ist, er ist der gefederte Cousin des Camaro, welcher im selben Jahr angefangen hat, Mustangs zu verputzen. Also, jedenfalls wenn es nach der Idee der Marketingabteilung von Chevrolet gegangen wäre. Tatsächlich hat sich der Camaro ein wenig an den Mustangs übernommen, doch das ist eine andere Geschichte.

 

Zurück zum Feuervogel. Schick sollte er sein. Kompakt sollte er sein, sportlich sollte er sein. Schizophrenerweise ist der Vogel aber ein Pferd, also ein Pony Car. Verwirrend. Aber hey, ich habe die Regeln nicht gemacht. Auf jeden Fall stehen wir hier vor, einem ziemlichen Vieh, also zierlich in den Ausmassen, aber vom Charakter her schon eher ein verfressenes Raubtier. Und damit schliessen wir die Biologiestunde vorläufig und einigen uns darauf, dass der Firebird ein mittelgrosses, brennendes Pferd mit Federn und Flügeln und dem Charakter eines Löwen auf Koks ist. Eigentlich will man sowas nicht vor der Haustür stehen haben. Wäre er denn nicht so eine hübsche Erscheinung….

V8

Was soll man machen. In den 60 Jahren war der V8 einfach State of the Art. Zumindest in den USA. Sprit war billig, ein tiefer Verbrauch war so wichtig wie Biosalat und es war halt auch einfach der damalige Soundtrack der Strassen. Es musste einfach grummeln, rollen und grooven wie John Bonham in seinen besten Zeiten. Es war zweifellos eine sorglose und schöne Zeit. Vielleicht weniger für die Umwelt, aber der V8 war damals ein ganz normaler Lebensstil, man hat sich einfach weniger gekümmert und dafür etwas mehr gelebt. Beneidenswert.

 

Und deshalb hat auch dieser Firebird den dicksten V8, den man ankreuzen konnte. Dies macht das Auto zu einer wunderschönen Kapsel für eine Reise zurück in die Zeit, als die Beatles einen Typen namens Jude geraten haben, er soll doch nicht so eine Fresse ziehen.

Den Regler auf elf

Man konnte sich damals eben so ein Pony Car aus dem Hause Ford holen. Schön schick mit einem 4.3 Liter grossen Einstiegs-V8 (1964-½) oder mit einem 4.6 Liter grossen Sportmotor mit 200+ PS. Bei der Pontiac Motor Division hatte man für solche „kleinen“ Motoren wenig übrig. Angefangen bei 5.7 Litern konnte man sich einen 350er Firebird unter den Hintern klemmen und war damit schon relativ zügig unterwegs. Vor allem in Anbetracht dessen, dass es sich hier um ein „nur“ 1.6 Tonnen schweres Auto handelte. Wer aber eine relativ intensive Lebenseinstellung hatte, der hat ein anderes Kreuz auf dem Bestellzettel gemacht. 400 please. Also, 6.5 Liter. Und wem das noch nicht genug war, der kreuzte auch noch die „High Output“ Option an. Und hatte damit im Werk vermelden lassen, man möge doch dem 6.5 Liter grossen Motor noch ein paar Pferde mehr entlocken. Das waren zwar auf dem Papier nur deren fünf und damit 335, das war allerdings eine glatte Lüge. Es war damals schon kein Geheimnis, dass die Maschinen von der Leistung her eher leicht gegen oben streuten. Hauptsache, die Versicherer blieben schön gechillt.

Der Innenraum

Die Ergonomie war damals einfach. Hauptsächlich deswegen, weil die Autos nicht Netflix, Ambientebeleuchtung in 16 Millionen Farben und zwei Quadratmeter Touchscreen haben mussten. Sie mussten nur Heizung, Radio, Licht, Scheibenwischer und Blinker. Pure Autos. Und sowieso einen dicken Aschenbecher vorne und zwei hinten, die findet man heute ja nirgends mehr, das würde ja an eine sozial geächtete Form der Lebensverachtung grenzen. Dumm. Aber hey, wer sich schon so ein Monster in die Garage packt, der wird vermutlich auch rauchen wie ein Bürstenbinder und sich ein Coors nachdem anderen reinspülen. Weil, spielt ja dann auch keine Rolle mehr, eines von diesen Lastern wird tendenziell frühzeitg das 1.80 tiefe Kellerapartement auf dem Kirchengelände sichern. Bei diesem Firebird fällt übrigens auch das Radio noch weg, zumindest optisch. Weil, ein modernes Radio findet sich im Innenraum trotzdem, inklusive DAB, Bluetooth und USA. Ne, USB.  Muss man aber suchen,  dezent verbaut unter dem Beifahrersitz. Und es ist hier dieselbe Geschichte wie bei allen grossen V8’s, es ist das sinnloseste Gerät überhaupt. Weil, Musik kommt genug von allen Seiten, vor allem wenn man sämtliche Fenster in der Karosserie versenkt und damit ein pfostenloses Coupé fährt, welches Geld in seiner schönsten akustischen Form explodieren lässt. Krieg, wenn auch teuer, klingt nämlich scheisse und sieht auch unschön aus.

 

Es ist nicht von der Hand zu weisen, der Innenraum wurde zwischenzeitlich umfangreich und vor allem, hochwertig restauriert. Dazu gehören alle Teppiche, das Armaturenbrett, die Sitze und auch der Dachhimmel, welcher absolut stramm dort sitzt, wo er hingehört, am Dach. Auch wurden zwischenzeitlich die Sitzschienen mal verlängert. Wer über eins siebzig ist, wird diese Modifikation sehr zu schätzen wissen, ansonsten wird es in solch einem Firebird (und auch im Camaro) nämlich etwas sehr kompakt.

 

Die ganzen Arbeiten am Innenraum wurden selbstverständlich umfangreich und detailliert fotografisch dokumentiert. Dort wird man auch sehen, dass der ganze Boden vor dem Verlegen des neuen Teppichs komplett mit Akustikmatten ausgelegt wurde. Das macht den Innenraum nicht nur ein wenig leiser, sondern man merkt auch, dass der erste Schritt zum Sitz eher weicher ist als gewohnt.

Dynamik

Muss man sich folgendermassen vorstellen: Man ist im vierten Gang, brabbelt durch die Ortschaft, vorbei an einem jener Schilder, welche das OK für ein vordefiniertes Mass an Spielraum für Vollgas geben und zack! 80!. Oder auch mehr. Und nicht nur, dass dieses Vieh mit einer unglaublich zivilisierten Gewaltbereitschaft aus dem Drehzahlkeller hervorstürmt, wenn man denn ein oder zwei Fahrstufen runterschalten würde, dann sollte man ausgeschlafen sein. Wheelspin im zweiten Gang? Kann vorkommen. Zu flottes Einkuppeln in den Dritten? Könnte auch in Reifenabrieb resultieren. Könnte. Also ja, die Vorwärtsdynamik des 400ers ist beängstigend, belustigend und ohne Zweifel, sehr beeindruckend. Auch für den links blinkenden Mopedfahrer im Rückspiegel mit seinen grossen Augen und der akuten Atemnot, weil Kohlenmonoxid. Viel davon.

 

Aber man sollte ja auch mal runterkommen. Wenn die Tachonadel im staatlich regulierten Gutscheinbereich ist, soll das auch wieder in den Rahmen des gesetzlich und moralisch vertretbaren Bereich gerückt werden können. Und dafür sorgen Scheibenbremsen vorne und ein unterstützender Bremskraftverstärker. Und dieses Konstrukt tut dies in Kombination bei Bedarf vehement und ohne ungeahnte Richtungswechsel. Die Bremse kann was.

 

Und wenn wir schon bei den Richtungswechseln sind. Lenkung: Da ist zwar jemand zu Hause, aber der ist eher von der entspannten Sorte. Man muss sich bewusst sein, dass die Amerikaner in der Zeit Servolenkungen gebaut haben, welche vom Gefühl her in etwa dieselbe Rückmeldung hatten, wie ein Skischuh beim Cha-cha-cha. Und dann kommt da noch dazu, dass sich über all die Jahre ein wenig Luft in die Lenkung geschummelt hat. Also, immer schön beide Hände am Lenkrad halten. Der Geradeauslauf ist übrigens absolut ok, das Auto darf auf sanft geschwungenen Landstrassen auch gerne mal sich selbst überlassen werden, ohne dass man wie ein Bekloppter korrigieren und im schlimmsten Fall einen Lehrkurs in Agrarwissenschaft machen müsste um zu verstehen, was denn da alles so über diese wunderschöne Motorhaube kullert.

 

Man merkt natürlich schon, dass da ein ziemlicher Brocken von Motor auf der Vorderachse sitzt und (mutmasslich) das Klima zum Horst macht. Lange Bodenwellen resultieren in einem, naja sagen wir mal Verhalten, welches an ein Sportboot erinnert. Die gesperrte Hinterachse macht den Zauber aber nicht mit, die scheint tatsächlich sehr gesetzt zu sein, vor allem wenn man den Tank einigermassen voll hat. Neigt sich der Tank dem Leerzustand zu, dann wird es auch mit Traktion so eine Sache. Wie gesagt, durchdrehende Räder gehen, vorausgesetzt man fordert den 400 heraus, auch jenseits der zweiten Fahrstufe.

Zusammengefasst; das Auto hat eine eher rare Breite an Dynamik. Drehmoment kippt Dir der Schlitten sowieso schubkarrenweise vor die Füsse. Aber jenseits der 3000 Umdrehungen schiebt Dir der Motor so richtig den Sitz in den Hintern. Bremsen tut das sehr vehement, Lenken tut es eher nur verhalten. Deswegen: wir vergeben dem Auto die Ehren-Todesfallenmedaille am roten Spassband.

 

Achja, Kupplung geht auch für jene, welche den Leg-Day das eine oder andere mal geschwänzt haben. So wie ich.

Zustand

Kommen wir zu den üppigen optischen Reizen dieses Firebirds. Dem Auge des Betrachters wird sofort auffallen, dass die Lackierung, die Chromteile und die Zierteile keinen Nährboden für Kritik bieten. Weder innen noch aussen finden sich an dem Auto Beschädigungen, Baustellen oder Investitionspotential. Dies gilt übrigens auch für den Motorraum und die dicke Maschine an sich. Ohne Coleslaw, aber der Motorraum sieht nicht nur aus, als ob man daraus essen könnte, wenn es sich ergibt kochen wir auf dem dicken V8 noch irgendwas. Kein einziger bunter Draht lungert irgendwo rum und zeugt von einer schnellen Bastelei. Dasselbe gilt für alle Schrauben, die wurden nicht überduscht und das bestätigt, das Auto war beim Lackieren zerlegt.

 

Technisch wurde ebenfalls eine Menge an dem Auto gemacht, dazu gehört eine komplette und ausführlich fotografisch dokumentierte Revision des Motors. Ebenso die Hinterachse. Und die Vorderachse. Und das spürt man bei der Fahrt, hier rattert nichts, es klappert nichts, es kommen keine beängstigenden Geräusche aus dem Fahrwerk. Und wir kennen uns mit Vögeln aus, dieses Federwerk ist kompakt, solide und alles andere als ausgenudelt. Btw; Getriebe macht Bock, trotz des üppigen Drehmoments möchte man die Gänge immer wieder durchsortieren, ob es Sinn macht oder nicht.

 

Auch elektrisch wurde einiges getan. So wurden die Kabelbäume komplett erneuert inklusive der Absicherung derer Verbraucher. Und das sieht man im wahrsten Sinne des Wortes, alles an dem Auto funktioniert, die Scheinwerfer leuchten hell und klar, ebenso wie die Rückleuchten, die Armaturen und die Fussräume. Hier sieht es nicht aus wie in Mordor bei Nacht.

 

Auch die Karosserie hat erhöhte Aufmerksamkeit erhalten. Dem Alter entsprechend waren nachvollziehbar einige Bleche nicht mehr so stramm, wie sie das Werk in 1969 verlassen haben. Und deswegen wurde das eine oder andere Bodenblech neu eingeschweisst, auch an der Seitenwand der Fahrerseite findet sich ein Stück Blech, welches 1968 vermutlich so nicht existiert hat. Alls jedoch wurde absolut fachmännisch und in der Schweiz ausgeführt (ebenfalls fotografisch dokumentiert) und in Anbetracht dessen, dass vor allem die Lackierung um 2007 herum durchgeführt wurde, spricht für eine sorgfältige Arbeit. Sonst wäre sie nämlich nach all dieser Zeit nicht mehr da wo sie jetzt noch ist, sondern in einer Kehrschaufel.

 

Rundherum, das Auto steht nicht nur optisch, sondern auch technisch, mechanisch und elektrisch da als ob es um Leben und Tod ginge. Muss man gesehen haben. Oder wie es ein sachkundiger Kollege genannt hat: „Das ist so gar nicht Scheisse“. Ja, können wir unterschreiben, dieses Auto ist eine Ausnahmeerscheinung. Vielleicht auch deswegen, weil der letzte und auch der vorletzte Besitzer eine Menge Zeit, Taler und Material in das Auto investiert haben. Davon zeugt ein dicker Ordner voller Belege, Dokumentation und Bildern.

Originales und Originelles

 

Der 400er H.O. wurde durch die Pontiac Historical Services nochmals ins Jahr 1968 zurückversetzt, damals als er die Produktionsstrasse verlassen hat (Doku ist vorhanden). Und damit ergeben sich folgende Fakten rund um den Feuervogel.

 

- Originaler 400er H.O. (gem. Bestellung, einer von rund 1400 je gebauten HO’s mit 4-Gang)

- Originaler Motor (Matching #s)

- Originaler 4-Gang Handschalter (Getriebe ist nicht matching #s, entspricht aber dem Original 4-Gang Muncie)

- Originale Hinterachse mit LSD (nix Drogen, Limited Slip Differential, das bringt Elfen auf den Asphalt)

- Auslieferung in Grün, aktuell ist das Auto knallrot (wie man sieht)

- Auslieferung mit Rally Wheels (sind dabei, inkl. frischer Gummis)

- Auslieferung mit Radio (Nope, das ist nicht mehr da)

- Deluxe Steering Wheel (Check!)

 

Die zeitgenössischen American Racing Torque Thrust's können wahlweise durch die originalen Rallywheels getauscht werden.

Noch mehr Bilder dieses roten Feuervogels findest Du in unserer Galerie. Solltest Du Interesse an oder Fragen zu diesem Fahrzeug haben, benutze bitte das untenstehende Formular oder ruf uns unter untenstehender Nummer an. Wir werden uns selbstverständlich zeitnah bei Dir melden.

 

Gruss aus der Küche

Markus

CHF 79'500

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